Rainer Behrend, in
Berlin geboren, ist sozusagen in das
Theater hineingewachsen: Vater Horst
Behrend gründete 1949 die Vaganten
Bühne, ohne feste Spielstätte, das
Büro befand sich zuhause in der
Steglitzer Dreieinhalbzimmerwohnung,
auch Vorsprechen, Proben,
Ballettunterricht und die
Kostümanfertigung fanden hier statt,
manchmal sogar die Premierenfeiern.
Als Kind half er beim
Kulissenaufbau, verkaufte Karten
und war Kleindarsteller auf der
Bühne. Später absolvierte er an der
Max-Reinhardt-Schule die
Schauspielausbildung. Es folgten die
Lehrjahre am Staatstheater in
Kassel, ehe er sich Anfang der 60er
Jahre wieder in Berlin niederließ.
Seitdem hat er allein an der Tribüne
an über 100 Produktionen mitgewirkt,
als Regisseur oder als Schauspieler.
Seit Ende der siebziger Jahre leitet
er zusammen mit Ingrid Keller die
Tribüne sowie mit seinem Bruder die
Vaganten Bühne.
Neben der Inszenierung
gesellschaftskritischer Stücke
(zuletzt Arthur Millers „Ein Blick
von der Brücke“) interessiert ihn
besonders die Auseinandersetzung mit
Zeitgeschichte sowie die
theatralische Aufbereitung
literarischer Stoffe. Er erstellte
Bücher für politische Revuen zur
Revolution von 1848, zur Monarchie
oder über die Zeit zwischen den
Weltkriegen; seine Auswahl von
Szenen, Liedern und Gedichten aus
dem Exil „Die verbrannten Dichter“
wurde mit dem Daphne-Bühnenpreis der
Berliner Theatergemeinde und dem
Kritikerpreis des Verbandes der
deutschen Kritiker ausgezeichnet und
an zahlreichen deutschsprachigen
Theatern aufgeführt. Zu den
bekanntesten literarischen
Programmen gehören Revuen zu Walter
Mehring, Bertolt Brecht, Christian
Morgenstern oder Heinrich Heine.
Rainer Behrend inszeniert bevorzugt Komödien, die mit den Gegensätzen Schein und Sein spielen und die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit auflösen (zuletzt Woody Allens „Geliebte Aphrodite").
